Die Rolle der Eltern und der Gemeinde in Kindererziehung und Kindergarten

Interview von Christian Andresen mit Tedd & Margy Tripp, April 2013

Christian: Tedd und Margy Tripp, wir sind sehr dankbar, dass ihr hier mit uns in Zürich seid. Da ihr hier seid, haben wir die Möglichkeit, euch einige Fragen zu stellen, die
uns und unseren Gemeinden zum einen dabei helfen können, mehr über das Elternsein aus der Perspektive der Bibel zu lernen; aber auch von jemandem, die selbst jahrelang inder Erziehung war, die viel mit anderen Eltern, Gemeinden und Schulen gearbeitet haben.
Wir würden euch gerne einige Fragen stellen, die uns dabei helfen sollen, die Wichtigkeit der Kindererziehung in der heutigen Zeit und Gesellschaft zu verstehen. Darf ich euch also einige Fragen stellen?

Tedd: Sicher!
Christian: In einem deiner Seminare erwähnst du, dass es nicht die hauptsächliche Verantwortung der Gemeinde ist, die Kinder zu lehren, sondern der Verantwortungsbereich der Eltern. Welche Rolle sollte die Gemeinde in der Unterstützung der Eltern in der Erziehung spielen?

Tedd: Eine Sache, die mir in den Sinn kommt ist die, dass alle lehrenden Dienste in der Gemeinde dazu bestimmt sind, die Eltern mit einem klaren Verständnis des Wortes Gottes, der Wahrheit, einer festen Theologie auszustatten, die sie ihren Kinder weitergeben können. Die Rolle der Gemeinde besteht also in erster Linie darin, die Eltern für ihre Aufgabe der Erziehung auszurüsten. Und dann sind da natürlich auch noch andere Dienste in der Gemeinde, die sich direkt an Kinder und Jugendliche richten, wie z.B. Sonntagsschulklassen in unterschiedlichen Altersstufen oder Jugendstunden. All diese Dienste nehmen einen wichtigen Platz ein. Aber die primäre Rolle in der Kindererziehung und Belehrung wird von den Eltern ausgefüllt. Es sind die Väter, wie Epheser 6,4 es sagt, die ihre Kinder in Zucht und Ermahnung erziehen. So würden wir es sehen. Stimmst du dem zu?

Margy: Um es vielleicht in anderen Worten auszudrücken: Wir sehen die Gemeinde als einen erweiterten Dienst des Zuhauses. Gott setzt die Kinder in die familiäre Gemeinschaft und die natürliche Erweiterung davon ist der Leib Christi. Die familiäre Gemeinschaft ist also eine Art Vorbereitung für den Leib Christi. Es werden die gleichen Begriffe benutzt. Schwestern und Brüder, unser Vater im Himmel, Kinder Gottes und andere.

Christian: Ihr würdet also sagen, wenn ich das so höre, dass die Gemeinde eine Erweiterung der Familie ist.

Margy: Ja.

Christian: Für uns als Gemeinde ist es im Moment auch sehr wichtig, unsere Funktion als Gemeinde richtig zu verstehen. Ich verstand Kindererziehung immer als ein fundamentales Thema für die Gesundheit der Gemeinde und der Gesellschaft. Findet Kindererziehung nicht in richtiger Art und Weise statt, werden wir die Resultate davon unmittelbar in der Gemeinde und in der Gesellschaft erkennen. In Deutschland werden wir mit einer wachsenden Bewegung konfrontiert, die Kinderbetreuung ab einem Alter von 3 Jahren und früher, teilweise schon ab dem Alter von einem Jahr, vorsieht. Daneben gibt es ebenfalls eine wachsende Bewegung für die Betreuung in Kindergärten. Welche Ratschläge sollen wir als Gemeinden unseren jungen Eltern mit auf den Weg geben? Sollen wir uns eigene Kinderbetreuung oder Kindergärten ins Leben rufen?

Tedd: In den USA wurden wir bereits vor einigen Jahren mit diesen Vorgängen konfrontiert.
Unsere Entscheidung war damals, keine Kleinkinderbetreuungen/Kinderkrippe anzubieten, weil wir die Ansicht nicht unterstützen wollen, dass Kinder in einem solch frühen Alter von zu Hause weggegeben werden. Wir denken, dass der ideale Ort, den Gott für die Erziehung der Kinder bestimmt hat, bei ihren Eltern ist. Wir lehren den Kindern, dass es eine große Gnade Gottes ist, in einer Familie mit Vater und Mutter aufzuwachsen, die dich lieben, die sich dir hingeben, die Weisheit, Reife und Lebenserfahrung haben und es so der beste Ort auf der Welt ist für das Kind ist. So denken wir, dass es das Beste für das Kind ist, zu Hause zu sein, bis sie das Alter erreichen, um zur Schule zu gehen. Das ist ein Nachteil, wenn die Gemeinde schon früh damit beginnt, Kinderbetreuung vor der Vorschule, durchzuführen. Aber ich denke, dass es auch davon abhängig ist, wie stark diese Bewegung ist und wie stark der Staat darauf drängt, die Kinder aus dem Haus zu nehmen. In diesem Fall könnten die Kinder davon profitieren, eine christliche Alternative zu haben, wenn es zur Pflicht wird.

Christian: Ja das ist etwas was sich anbahnt. Wir können hier in Ost-Berlin eine sehr interessante Entwicklung beobachten. Als wir 1997 nach Berlin kamen, waren die meisten Eltern es gewohnt, ihre Kinder schon im frühsten Alter in die Kinderkrippe zu geben, so dass sie selber keinerlei Erfahrung in Sachen Kindererziehung hatten. Der Staat war zu dem Zeitpunkt gegen eine solche Form. Die Eltern sollten die Verantwortung für die Kindererziehung übernehmen. Jetzt aber, 15 Jahre später, verläuft die Entwicklung wieder in die entgegengesetzte Richtung. Der Staat sagt, dass die Eltern die Erziehung nicht
bewerkstelligen könnten und die Verantwortung für die Kindererziehung vom Staat übernommen werden müsste. Als Gemeinde wollen wir aber den Aspekt der Kindererziehung durch die Eltern unterstützen. Daher ist uns dieser Aspekt wichtig. Würdet ihr also sagen, dass es sehr wichtig ist, die Verantwortung für die Kindererziehung so lang wie möglich bei den Eltern zu belassen?

Tedd: Absolut! Es ist Gottes Plan, dass Kinder in einer Familie von Eltern aufgezogen werden, die Weisheit, Reife und Lebenserfahrung haben. So hat Gott die Gesellschaft entworfen. Und in der Familie hat Gott einen Ort geschaffen an dem Kinder lernen, Fehler machen und Korrektur erhalten können. Sie leben in einem Umfeld, in dem sie Liebe erhalten, in dem sie Fürsorge erhalten und wo ihnen die Wahrheit Gottes nahe gebracht wird. Das ist das ideale Bild des Ortes an dem die Kinder zur Reife heranwachsen und für die Zeit ausgestattet werden sollen, wenn sie das elterliche Haus für längere Zeiten verlassen. Christian: Können wir als Gemeinde dann Mutter-Kind-Gruppen anbieten, die die Eltern in der Kindererziehung unterstützen? Wäre das etwas, was ihr empfehlen würdet?

Tedd: Sicherlich. In den USA gibt es eine Bewegung mit dem Namen „Mütter von Vorschulkindern“, die genau das tun. Sie bieten Hilfe an, damit die Familien sich weiterentwickeln. Sie geben Ideen weiter, weil verschiedene Menschen verschiedene Begabungen haben und diese Begabungen können zusammengebracht werden um alle Familien zu bereichern. So kann vieles getan werden um die Fähigkeiten der Eltern
auszubauen. Denn leider haben wir nicht viele gute Vorbilder. Die meisten Leute mit denen wir arbeiten kommen nicht aus intakten Familien, wo sie gute Vorbilder hatten, denen sie folgen können. So ist dieses Training sehr wichtig. Auch die Bibel bestätigt in Titus 2 dieses Prinzip. Die älteren Frauen sollen die Jüngeren lehren, ihre Familien zu lieben und für sie zu sorgen. Es ist also eine sehr biblische Idee, dass die Gemeinde einander in diesen Aufgaben unterstützt und stärkt. Aber die Aufgabe der Erziehung dennoch im Zuhause bleibt.

Christian: Vielen Dank. Wir müssen bei dieser Frage gleichzeitig auch über die Rolle von Ehemann und Ehefrau nachdenken. Viele junge Mütter beginnen schon früh wieder damit zu arbeiten, andere, wenn ihre Kinder in die Schule kommen, Teens sind oder alt genug sind, alleine zu Haus zu sein. Welchen Rat würdest du uns als Gemeinde geben? Welchen Rat sollten wir unseren jungen Müttern und jungen Familien in dieser Sache geben?

Margy: Die Rolle der Ehefrau und Mutter wurde in unserer Kultur sehr herabgesetzt. Und ich bin mir sicher, dass dies auch in Europa der Fall ist. An folgendes müssen wir uns wieder zurückbesinnen: Selbst das Umfeld der Fürsorge für die Kinder und den Ehemann, ist das Umfeld, in welches Gott all das Aufziehen und Lieben und Belehren hineingebaut hat. Also selbst wenn die Frau sich um die Wäsche kümmert, das Essen vorbereitet oder sich um das Zuhause kümmert, gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten vor den Kindern auszuleben, dass sie eine Person ist, die den Herrn liebt und von Christus in allem abhängig ist. Die Möglichkeiten zur Anleitung der Kinder sind zu Hause ohne Ende gegeben. Ich stimme also der Aussage nicht zu, dass eine Frau in ihrer Rolle als Mutter und Hausfrau keine Erfüllung im häuslichen finden kann und sie daher andernorts nach Erfüllung suchen muss. All die Gaben und Fähigkeiten, die Gott den Frauen gegeben hat können zu Hause vollkommen zufriedenstellend ausgelebt werden. Und ich denke, dass es keine wundervollere und erfüllendere Rolle für eine Frau geben kann, als eine glückliche Mutter in ihrem Zuhause zu sein. Bei der Frau in Sprüche 31 sehen wir, dass es oft nur bezüglich der Aktivitäten der Frau interpretiert wurde. Wenn wir den Abschnitt aber wirklich sorgsam betrachten, stellen wir fest, dass es hier mehr um den Charakter der Frau geht, die all diese Arbeiten durchführt. Und diese Charaktereigenschaften die notwendig sind um all diese Aufgaben zu tun sind voll mit den Früchten des Geistes. Sie sind voll mit der Befähigung durch Gottes Geist bei der Arbeit im Herzen der Frau, damit sie all diese Tätigkeiten überhaupt machen kann. Welch einen wunderbareren Weg soll es sonst geben, sein Leben zu verbringen?

Tedd: Ich möchte dies aus einer weiteren Perspektive darstellen und stimme in allem mit Margy überein. Meine Beobachtung ist, und zumindest trifft dies auf die USA zu, und ich nehme an dass es auch auf Europa zutrifft da es ebenso auf Südamerika zutrifft, wo mir in Brasilien vor wenigen Wochen dieselbe Frage gestellt wurde: Allgemein ausgedrückt, ist die Entscheidung der Frau außerhalb ihres Zuhauses zu arbeiten, eine Entscheidung des Lebensstils. Wir wollen besseren Urlaub machen, wir wollen schönere Kleidung für unsere Kinder haben, wir wollen ein zweites Auto haben, wir wollen einen bequemeren Lebensstil haben. Und das ist einfacher mit zwei Gehältern umzusetzen. Es ist also eine Wahl des Lebensstils, die sich dazu entscheidet, die Frau aus ihrer aufziehenden Rolle herauszunehmen, um einen höheren Lebensstil zu haben. Aber ist es wirklich ein höhere Lebensstil? Vielleicht materiell. Aber wenn Mütter von einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause kommen –und Väter kommen von einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause kommen, die ganze Familie nun zuhause ist, die Kinder haben Bedürfnisse, jeder ist völlig erschöpft und geschafft von der Arbeit des Tages, dann bleibt keine Zeit mehr für angenehme Mahlzeiten die fürsorglich zubereitet wurden. Das Essen wird nur schnell in die Mikrowelle geworfen um schnellstmöglich etwas auf den Tisch zu bringen. Dies nagt an einem Lebensstil hinsichtlich der Qualität des Zusammenlebens, der Zeit und der Fähigkeit des Miteinander: eine nette Mahlzeit zu genießen, eine freundliche Unterhaltung zu führen, und eben nicht eine Frau zu haben die den ganzen Tag auf der Arbeit gehetzt wurde, und nun nach Hause kommt und Wäsche machen muss, sich um die Kinder kümmern muss, während jeder erschöpft ist. Wir haben zwei Söhne die beide nun auch Familien haben. Unsere beiden Schwiegertöchter sind zuhause geblieben. Und all die Dinge, die sie mit ihren Kinder zusammen machen können, Unternehmungen, das Vorbereiten von Mahlzeiten –das ein wenig Zeit braucht-, selbstgemachtes Brot, all solche Dinge, erschaffen eine Familienatmosphäre, die für Kinder sehr anziehend und schön ist. Mit Sicherheit machen sie nicht so schönen Urlaub, wie wenn beide arbeiten würden. Aber die Lebensqualität und die Möglichkeit für die Mutter Zeit zu haben um mit ihren Kinder zusammenzusitzen, wenn sie eine Not bei einem Kind sieht sich hinzusetzten und mit dem Kind zu reden, und Gottes Wahrheit diesem Kind zu bringen. Das kann mit nichts verglichen werden. Mann kann nicht meinen, die Mutter für 40 oder 50 Stunden pro Woche aus dem Haus zu nehmen, ohne etwas dabei zu verlieren. Es ist einfach nicht möglich.

Christian: Kommen wir zu einer anderen Sache. In vielen Gesprächen mit jungen Frauen, die darüber nachdenken zu heiraten, haben meine Frau und ich festgestellt, dass  viele ein wenig Angst haben zu heiraten. Als Grund nannten sie oft, dass sie nicht wüssten, wie man einen Haushalt organisiert. Sie haben kaum Unterweisung von ihren Müttern erhalten. Sie haben nie gelernt zu kochen oder zu bügeln. Es ist interessant zu sehen, dass jungen Erwachsenen Dinge beigebracht werden, die sie eigentlich schon in ihrer Kindheit hätten lernen sollen. Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht?

Margy: Ja. Wir haben eine ganze Reihe junger Mütter in unserer Gemeinde. Ich leite eine Bibelstudiengruppe für junge Mütter die die keine Rollenvorbilder hatten und jetzt eben damit konfrontiert werden, sich um ihre Kinder, ihren Ehemann und den Haushalt zu kümmern. Wir glauben, dass die Gemeinschaft der Gläubigen ein wunderbares Umfeld ist, um solche Fähigkeiten zu lernen. Und nicht nur diese Fähigkeiten zu lernen, sondern auch in solchen Rollen zu leben. Auf eine Art und Weise zu leben, die wirklich schön ist. In der die Schönheit des christlichen Lebens ausgelebt wird. Sie helfen einander, sie sprechen miteinander. Wenn eine Mutter mit etwas zu kämpfen hat, ruft sie eine andere Mutter oder mich an – ich bin so etwas wie eine Großmutter für sie – und dann sprechen wir am Telefon darüber, tauschen uns aus, beten immer miteinander um sie zu ermutigen insbesondere die Angst zu überwinden etwas anzupacken von dem man keine Ahnung hat wie man es tut. Und wir stellen fest, dass diese jungen Frauen in diesem Umfeld aufblühen. Es ist nicht einfach und da sind viele Kämpfe. Manchmal sind Schlaglöcher auf der Straße. Und manchmal erfahren sie zuerst Niederlagen bevor sie Erfolge sehen. Aber wir sehen auch, dass in dem Prozess des Zusammenlebens im Leib Christi solche Dinge überwunden sind, selbst diejenigen, die nicht das Privileg hatten, in Familien aufzuwachsen, in denen sie gute Vorbilder hatten oder in einen solchen Prozess eingebunden waren.

Christian: Würdest du also sagen, dass das ältere Mütter, deren Kinder vielleicht schon aus dem Haus sind, in der Gemeinde noch eine Rolle in der Gemeinde spielen?

Margy: Ja, absolut. Wo die die Gemeinde auf biblischer Weise funktioniert ist die Rolle der älteren Frauen als Mütter und Großmütter in der Gemeinde arbeitsreicher als jemals zuvor, weil es so viele Möglichkeiten zum Ermutigen, zum Helfen gibt. Einfach Hand anzulegen und die Last des anderen zu tragen. Ja, es gibt eine Menge Möglichkeiten, wenn die Frauen sich nur frei machen würden für diese Arbeit, gibt es praktisch kein Ende, für das, was sie tun könnten.

Tedd: Oft sind es sehr praktisch Dinge. Margy hilft einigen dabei, die Mahlzeiten für die Woche zu planen. Und dann können sie in den Laden gehen, um zielgerichtet für die Mahlzeiten der ganzen Woche einzukaufen, anstatt irgendetwas zu kaufen. Du hast also deine Mahlzeiten geplant und brauchst dir keine Sorgen darüber zu machen, was du heute Abend kochen sollst. Du hast die Zutaten zu Hause und brauchst keine Zeit damit zu verschwenden, nochmal aus dem Haus zu gehen, um sie zu besorgen. Es sind also sehr praktische Sachen. All die organisatorischen Dinge für den Haushalt. Und was Margy dann feststellt ist, dass die Frauen sehr erfüllt und zufrieden sind, weil sie die Rolle erfüllen, die Gott für sie gemacht hat. Und anstatt dass sie außerhalb auf ihrem Arbeitsplatz in ständiger Konkurrenz stehen, sind sie in ihrem Zuhause, in einer sehr erfüllende Rolle als Mutter und Ehefrau. Es ist eine sehr schöne Sache. Selbst die Wäsche zu machen. Und die Möglichkeiten der Hilfe sind wirklich grenzenlos, wie zum Beispiel den jüngeren Frauen zu helfen die Küche zu organisieren: Du solltest deine Töpfe hier haben, nah am Herd. Es hört sich so einfach an, aber was ist, wenn es dir nie gezeigt wurde und plötzlich wirst du damit konfrontiert und weißt nicht was du machen sollst. Es gibt also viele erstaunliche Wege, wie man dort Hilfestellung leisten kann. Margys Herausforderung ist eher, dass sie zu wenig Zeit hat, für all die Gelegenheiten die sie hat zu helfen.

Margy: Ich denke auch, dass ein weiterer wichtiger Aspekt die geistliche Seite davon ist, weil wir dazu tendieren, einfach nur zu denken, dass es sich hier um praktische Sachen handelt.
Aber wir haben hier eine wunderbare Möglichkeit für die Frauen, den jungen Müttern zu zeigen, dass alles im Leben auch geistlich ist. In allem zu beten, Gott zu vertrauen und zu wissen, was es bedeutet vollständig in Christus zu sein, ein Teil dieser Gespräche, führt diese Frauen zu einem geistlichen Wachstum im Herrn. Es ist sehr spannend und sehr erfüllend für die älteren Frauen daran teilzuhaben.

Christian: Eine letzte Frage. Im Moment werden bei uns seitens der Medien, in Zeitung, Fernsehen und Internet, einige Vorwürfe gegen evangelikale Christen laut, die beinhalten, dass Christen ihre Kinder schlagen und dass die Gemeinde dazu aufrufen würde gegen das Gesetz zu Kindesmissbrauch zu verstoßen. Sie möchten beweisen, dass Evangelikale dies häufiger tun würden, als andere
Glaubensrichtungen. Wir sind also einer Situation ausgesetzt, in der wir in Bezug auf unser Verständnis von physischer Disziplinierung oder Erziehung missverstanden werden. Für uns darf es kein „schlagen“ sein. Die Worte, die die Medien uns entgegenhalten sind aus dem Zusammenhang gerissen. Aber wie sollen wir darauf reagieren? Sollen wir es jetzt einfach lassen, weil der Druck von außen so groß ist? Welchen Rat würdest du geben? Ihr wurdet sicherlich auch mit diesen Vorwürfen konfrontiert.

Tedd: Ich habe ein interessantes Interview zu diesem Thema mit John Piper gesehen. Darin sagte er, dass selbst wenn es ein Gesetz in den USA gegen angemessene physische Disziplinierung von Kindern gäbe, er es weiterhin in seiner Gemeinde lehren würde. Zudem würde er sie darauf vorbereiten, dass sie um ihrer guten Taten willen leiden müssten. Natürlich wollen wir Situationen vermeiden in denen Kinder aus ihrem Elternhaus genommen werden und ähnliches. Da kann es wirklich sehr angsteinflössende Situationen geben. Ich denke, dass es kein Ende dessen gibt, wie der Staat Druck auf Evangelikale ausübt, um ihnen zu verbieten ihren Kindern Gottes Wege beizubringen. Im Moment ist das Thema die physische Disziplinierung. Die Richtung geht aber dahin, dass du deinen Kindern deine religiösen Überzeugungen nicht mehr lehren darfst. Du darfst ihnen keine Werte mehr beibringen, die im Glauben gründen. Das ist worauf es eigentlich zugeht. Wir waren kürzlich in England und haben dort einige Artikel gelesen, die verteidigt haben, dass Eltern kein Recht hätten, ihre Kinder mit ihrem Glauben zu beeinflussen. Wenn wir denken, dass es an diesem Punkt aufhören wird, dass der Staat physische Disziplinierung ablehnt, und wir in diesem Bereich einlenken, weil wir meinen dann keinen Druck mehr zu bekommen, dann werden wir sehen dass der Druck nicht aufhören wird. Bis es so weit kommt, dass wir das Recht verlieren, unseren Kindern religiöse Werte nahe zubringen, weil es sie indoktrinieren würde und sie nicht intelligent oder fortgeschritten genug sind, dieser Indoktrination zu widerstehen und somit ist dies ein Missbrauch deiner Kinder. In diese Richtung geht es. Als Christen müssen wir weise im Gehorsam gegenüber Gottes Wort leben. Ich denke wir müssen sehr weise sein. Wenn man also als Eltern die grundlegende Entscheidung trifft, sein Kind in angemessener Weise physisch zu disziplinieren dann wirst du das nicht veröffentlichen. Du tust dies im Privaten und auf eine sehr vorsichtige und angemessene Weise und ganz sicher darf die Züchtigung niemals im Ärger oder exzessiv geschehen. Es darf niemals gewalttätig oder misshandelnd für das Kind sein. Aber es wird kein Ende geben bis der Staat eine vollkommen säkulare Kultur erreicht hat in der keine religiösen Werte mehr gelehrt werden dürfen. Was werden wir dann tun? Wir müssen sagen: Wir müssen Gott gehorchen. Wir müssen Gott gehorchen und wir müssen ihm vertrauen, dass er uns beschützen und Sorge für uns tragen wird und vorbereitet sein für Gutestun zu leiden.

Christian: Vielen Dank für eure Zeit und eure Antworten.

9 Dinge, die wir von „Titus 2 – Frauen“ lernen können

„… dass sich die alten Frauen gleicherweise so verhalten sollen, wie es Heiligen geziemt, dass sie nicht verleumderisch sein sollen, nicht vielem Weingenuss ergeben, sondern solche, die das Gute lehren, damit sie die jungen Frauen dazu anleiten, ihre Männer und ihre Kinder zu lieben, besonnen zu sein, keusch, häuslich, gütig, und sich ihren Männern unterzuordnen, damit das Wort Gottes nicht verlästert wird.“
Titus 2,3-5

Im Titusbrief werden Frauen ermutigt, sich aktiv um die nächste Generation zu kümmern, sie zu lehren und ihnen vorzuleben, wie man eine Frau nach dem Herzen Gottes wird. Ich habe das Privileg, dass ich ohne viel Nachdenken gleich mehrere Frauen nennen kann, die auf unterschiedliche Art und Weise in meinem Leben solche „Titus 2 – Frauen“ waren. Dies sind die Frauen, die ich nachzuahmen versuche, in meinem Dienst als Frau nach Gottes Herzen.

Unabhängig davon, wie groß der Altersunterschied oder wie verschieden die Lebensumstände sind, bei näherer Betrachtung konnte ich einige Eigenschaften entdecken, die bei allen von ihnen zu finden sind:

  1. Sie sind bereit, ihr ganzes Leben mit uns zu teilen. Als Mütter lassen sie uns daran teilhaben, wie es ist, Mutter zu sein, und welche Schwierigkeiten ihnen mit ihren Kindern und in der Ehe begegnen. Wenn sie berufstätig sind, erzählen sie uns davon, was dort gerade ansteht. Sie berichten von dem Druck von Abgabedaten, den Forderungen ihrer Vorgesetzten oder ihren Erfahrungen am Arbeitsplatz. Ob sie große oder kleine Familien haben, welchen Hobbies sie nachgehen – alles darf angesprochen werden.
  2. Sie laden uns in ihr Leben ein. Sie erzählen uns nicht nur von ihrem Leben, sondern laden uns in ihren Alltag ein. Wir dürfen sehen, wie sie wirklich sind – wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen und schnell noch etwas für’s Abendessen ‚zusammenschmeißen’ und genauso, wenn sie die Füße hochlegen. Sie lassen uns dabei helfen, ihre Kinder zu baden und ins Bett zu bringen; wir dürfen sie bei Besorgungen begleiten (das scheint langweilig, ist es aber keineswegs). Jeder Moment, den sie mit uns teilen, ist eine Möglichkeit für uns, Zeugen ihres gottesfürchtigen Wandels zu werden – wie sie sorgsam ihre Einkaufsliste schreiben (damit man noch kurzfristig eine Mahlzeit für jemanden kochen kann) oder wie sie ihre Kinder erziehen.
  3. Sie sind ehrlich und offen uns gegenüber. Diese Frauen sind großartig, weil sie authentisch sind. Sie zögern nicht, uns von ihren Fehlern zu berichten und sie verstecken nicht, dass sie nicht perfekt sind.
  4. Sie halten uns das Wort Gottes vor Augen. Sie haben Freude daran, uns von dem zu erzählen, was sie in der Gemeinde gelernt und welche Unterhaltungen sie über die Bibel gehabt haben; oder sie erzählen davon, wie sie Gottes Handeln in ihrem Leben erkennen. Manchmal teilen sie mit uns einen Bibelvers, den sie lieben, und erzählen uns davon, wie die Schrift ihnen in einer schwierigen Zeit geholfen hat auszuharren.
  5. Sie weisen uns zurecht. Sie kennen uns so gut, dass sie erkennen, wo wir vom richtigen Weg abkommen; und sie führen uns in Liebe und Sanftmut zurück zum Wort Gottes.
  6. Sie sind unsere Vorbilder. Weil wir ihr Leben beobachten dürfen, können wir von ihrem Leben lernen.
  7. Sie ermutigen uns. Sie spornen uns an zu Liebe und zum Dienst, denn wir sehen, wie sie treu lieben und dienen. Durch ihre Freundschaft, ihr Reden und ihr Handeln werden wir ermutigt.
  8. Sie sorgen für uns. Sie haben ein offenes Ohr, gottesfürchtige Weisheit und Rat; sie geben uns eine Mitfahrgelegenheit, sie halten eine Mahlzeit oder eine Tasse Tee für uns bereit. Diese Frauen zeigen uns Fürsorge – und sie lehren uns, Fürsorgerinnen zu sein.
  9. Sie beten für uns. Sie beten mit uns, wenn wir zusammen sind und wenn wir nicht mit ihnen zusammen sind, beten sie auch. Sie wissen, dass letztendlich allein Gott das Wachstum in uns bewirkt, und deshalb beten sie, dass er uns wachsen lässt.

So sind ältere Frauen gottesfürchtige Vorbilder, indem sie Gottes Wort an die erste Stelle stellen und indem sie danach streben, Ihn mehr und mehr zu erkennen. Ebenso hat Gott jüngere Frauen in unser Leben gestellt, die uns beobachten und von unserem Leben lernen möchten. Wir müssen deshalb nicht alle Antworten haben, wir müssen einfach nur Jesus lieben und andere teilhaben lassen an dem, wie wir Ihm dienen.

Ihr jüngeren Frauen, schaut auf die älteren gläubigen Frauen in euren Gemeinden und lernt von ihnen. Scheut euch nicht davor, ihnen Fragen zu stellen. Forscht nach, warum sie die Dinge tun, die sie tun – auch wenn ihr nicht immer der gleichen Meinung seid. Beobachtet ihren Wandel und ahmt sie nach, wie sie Christus nachahmen. Darum geht es in Titus 2.

 

Übersetzung von „Nine things Titus 2 women do“ von Tara Sing

Korrektive Gemeindeseelsorge

Gemeindezucht – oder korrektive Gemeindeseelsorge

Es kommt gelegentlich vor, dass sich ein Christ von der Gemeinschaft der Gläubigen entfernt und sich durch Unwissenheit oder bewussten Ungehorsam in Sünde verstrickt. Dann müssen die Gemeinde und vor allem ihre Hirten sich aktiv darum bemühen, dass dieser Christ Buße tut und zurückgebracht wird. Als Hirten der Herde lieben die Ältesten die Schafe, die Mitglieder der Gemeinde, und sind außerdem vor Gott für ihr geistliches Wohlergehen verantwortlich.

Das gilt genauso auch für die verirrten Schafe. Wie in dem Gleichnis von Jesus in Lukas 15, 3-7 wird Freude sein im Himmel und in der Gemeinde, wenn ein verirrter Christ wirklich Buße tut. Eine Art und Weise, durch die sich die Gemeinde liebevoll um die Wiederherstellung von verirrten Gläubigen bemüht, ist der Prozess der Gemeindezucht. In Matthäus 18 erklärt der HERR seinen Jüngern, wie man sich verhält, wenn ein Mitgläubiger sündigt. Die Gemeinde Christi muss sich durch die von ihm selbst dargelegten Prinzipien leiten lassen, wenn sie Gemeindezucht durchführen will.

Der Zweck von Gemeindezucht

Der Zweck von Gemeindezucht ist die geistliche Wiederherstellung abgeirrter Mitglieder sowie die Stärkung der Gemeinde und Verherrlichung des HERRN. Wenn ein in Sünde lebender Christ zurechtgewiesen wird und er dann von der Sünde umkehrt und ihm vergeben wird, ist er für die Gemeinschaft mit der Gemeinde und ihrem Oberhaupt Jesus Christus zurückgewonnen.

Das Ziel der Gemeindezucht ist also nicht, Menschen aus der Gemeinde hinauszuwerfen oder den selbstgerechten Stolz derjenigen zu fördern, die die Gemeindezucht ausüben. Es geht nicht darum, Menschen zu blamieren oder auf unbiblische Weise Autorität und Macht auszuüben.

Der Zweck besteht darin, den in Sünde lebenden Gläubigen wiederherzustellen zur Heiligung und ihn zu einer reinen Beziehung innerhalb der Versammlung zurückzubringen.

In Matthäus 18,15 sagt Jesus: „Wenn aber dein Bruder an dir gesündigt hat, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.“ Das griechische Wort, das mit „gewinnen“ übersetzt ist, wurde ursprünglich für das Anhäufen von Besitz im Sinn von finanziellem Vermögen gebraucht.

Hier bezieht es sich auf das Zurückgewinnen von etwas Wertvollem, das verloren ist, nämlich den verirrten Bruder. Wenn ein Bruder oder eine Schwester vom rechten Weg abkommt, geht ein wertvoller Schatz verloren, und die Gemeinde sollte nicht eher ruhen, bis er oder sie wiederhergestellt ist. Die Gemeinde Christi hat die Aufgabe, zurückzugewinnen und wiederherzustellen (Galater 6,1), und das ist auch der Zweck von Gemeindezucht.

Der Prozess der Gemeindezucht

In Matthäus 18,15-17 legt Jesus den vierstufigen Prozess von Gemeindezucht dar: (1) sprich ihn unter vier Augen auf die Sünde an, (2) nimm einige Zeugen mit, (3) sage es der Gemeinde, und (4) behandle ihn wie einen Unbußfertigen.

Erste Stufe (Matthäus 18,15)

Wenn aber dein Bruder an dir gesündigt hat, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. (Mt. 18,15)

Gemeindezucht beginnt auf einer persönlichen Ebene. Jesus sagt: „Wenn aber dein Bruder an dir gesündigt hat, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen“ (Vers 15a). Hier geht ein Gläubiger allein zu einem in Sünde lebenden Bruder und weist ihn in einer Haltung der Demut und Freundlichkeit zurecht. Diese Zurechtweisung beinhaltet, dass die Sünde eindeutig aufgedeckt wird, damit er sich dessen bewusst wird, und er zur Buße aufgefordert wird. Wenn der in Sünde lebende Bruder aufgrund der persönlichen Zurechtweisung Buße tut, wird ihm vergeben, und er ist wiederhergestellt (Vers 15b).

Zweite Stufe (Matthäus 18,16)

Hört er aber nicht, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruht. (Mt 18,16)

Wenn der in Sünde lebende Bruder sich weigert, auf denjenigen zu hören, der ihn unter vier Augen zurechtgewiesen hat, ist der nächste Schritt der Gemeindezucht, einen oder zwei weitere Gläubige mitzunehmen, um ihn erneut zurechtzuweisen (Vers 16a). Der Grund für die Anwesenheit der anderen Gläubigen ist, damit „jede Sache auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruht“ (Vers 16b). Mit anderen Worten: Die Aufgabe der Zeugen ist nicht nur zu bestätigen, dass die Sünde tatsächlich begangen worden ist, sondern auch darauf zu achten, dass der in Sünde lebende Bruder in rechter Weise zurechtgewiesen worden ist, und festzustellen, ob er Buße getan hat oder nicht.

Die Anwesenheit der zusätzlichen Zeugen ist ebenso sehr ein Schutz für den Beschuldigten wie auch für denjenigen, der ihn beschuldigt. Schließlich könnte eine voreingenommene Person unberechtigter Weise behaupten: „Nun, ich habe versucht, ihn zurechtzuweisen, aber er ist uneinsichtig.“

Es wäre vermessen zu denken, eine einzelne Person könnte solch eine endgültige Feststellung treffen, besonders wenn er derjenige war, gegen den der Andere gesündigt hat. Die Zeugen müssen bestätigen, ob der Bruder ein bußfertiges Herz hat oder ein gleichgültiges ablehnendes.

Solch ein Bericht stellt die Basis für das weitere Vorgehen dar, weil die Situation über die Aussage eines Einzelnen hinaus bestätigt worden ist.

An diesem Punkt ist zu hoffen, dass die zu der persönlichen Zurechtweisung mitgenommenen Zeugen nicht zu öffentlichen Zeugen gegen ihn vor der ganzen Gemeinde werden müssen. Im Idealfall reicht ihre zusätzliche Zurechtweisung aus, um eine Veränderung im Herzen des sündigenden Bruders zu bewirken, die die ursprüngliche Zurechtweisung noch nicht bewirkt hat. Wenn diese Veränderung stattfindet, wird dem Bruder vergeben, er ist wiederhergestellt, und die Angelegenheit ist erledigt.

Dritte Stufe (Matthäus 18,17a)

Hört er aber auf diese nicht, so sage es der Gemeinde. (Mt 19,17a)

Wenn der in Sünde lebende Bruder sich auch nach einer bestimmten Zeit weigert, auf die Zurechtweisung der Zeugen zu hören, dann sollen diese Zeugen die Gemeinde informieren (Vers 17a). Dies geschieht am besten dadurch, dass die Angelegenheit den Ältesten mitgeteilt wird, die wiederum für die Weitergabe der Information an die ganze Gemeinde sorgen. Wie lange sollen die Zeugen die betroffene Person immer wieder zur Buße aufrufen, bevor sie es der Gemeinde sagen? Die Ältesten sollten nicht eher zum dritten oder vierten Schritt der Gemeindezucht übergehen, bis sie absolut sicher sind, dass der abgeirrte Gläubige wirklich gesündigt hat oder weiter sündigt und sich auch nach angemessener Zurechtweisung weigert, Buße zu tun. In diesem Fall sollten die Ältesten ihn  vor dem dritten (oder vierten) Schritt warnen, falls er nicht bis zu einem bestimmten Zeitpunkt Einsicht zeigt und Buße tut. Wenn dieser Tag verstreicht, werden seine Sünde und seine Weigerung zur Buße vor der ganzen Gemeindeversammlung bekannt gegeben. Ab diesem Moment darf die Person nicht am Mahl des Herrn teilnehmen und keine Dienste in der Gemeinde ausüben.

Nach diesem dritten Schritt ist die Gemeinschaft aufgrund der Sünde bereits unterbrochen. Der Versammlung soll deutlich gemacht werden, dass sie der Person aktiv nachgehen und ihn eindringlich bitten sollen, Buße zu tun, bevor der vierte Schritt unumgänglich wird (2. Thessalonicher 3,14-15). Dieser wichtige und wirksame Prozess führt den Sünder oft zurück zur Buße und zum Gehorsam. Wenn die Person Buße tut, wird ihr vergeben, und sie ist wiederhergestellt.

Vierte Stufe (Matthäus 18,17b)

Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und ein Zöllner. (Mt 18,17b)

Der vierte und letzte Schritt der Gemeindezucht ist der Ausschluss aus der Gemeinde. Wenn ein in Sünde lebender Gläubiger auch nicht auf die Gemeinde hört, muss er aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Jesus sagt: „… so sei er für dich wie ein Heide und ein Zöllner“ (Vers 17b). Der Ausdruck „Heide“ wurde vor allem für Nicht-Juden gebraucht, die an ihrem traditionellen Heidentum festhielten und Anteil weder am Bund Gottes noch an der Anbetung oder dem sozialen Leben der Juden hatten. Ein „Zöllner“ war dagegen ein durch eigene Wahl aus der Gemeinschaft der Juden Ausgestoßener, ein Verräter an seinem eigenen Volk. Jesus’ Gebrauch dieser Ausdrücke bedeutet nicht, dass die Gemeinde diese Menschen schlecht behandeln soll. Es bedeutet einfach, dass ein bekennender Christ, der sich weigert, Buße zu tun, von der Gemeinde so behandelt werden soll, als würde er nicht zu ihr gehören. Er soll nicht an den Segnungen und den Vorzügen der christlichen Versammlung teilhaben.

Als ein Mann in der Gemeinde in Korinth sich weigerte, eine inzestuöse Beziehung mit seiner Stiefmutter aufzugeben, gab der Apostel Paulus die Anweisung, dass der Mann aus ihrer Mitte entfernt werden sollte (1. Korinther 5,13). Die Gläubigen sollten nicht einmal eine Mahlzeit mit ihm teilen (1. Korinther 5,11), denn gemeinsame Mahlzeiten waren ein Kennzeichen für gastfreundliche und herzliche Gemeinschaft. Wer beharrt und keine Buße tut, soll ganz aus der Gemeinschaft der Gemeinde ausgeschlossen und wie ein Ausgestoßener, nicht wie ein Bruder, behandelt werden. Dies schließt den Gemeindebesuch und die Gemeinschaft aus. Da wir von der Kraft des Wortes Gottes überzeugt sind Menschen zur Umkehr zu führen, darf der Gottesdienst jedoch besucht werden.

Hinsichtlich des Wohls der Gemeinde liegt der Zweck des Ausschlusses des Bruders darin, die Reinheit der Gemeinde zu schützen (1. Korinther 5,6), die Versammlung vor der Gefahr der Sünde zu warnen (1. Timotheus 5,20) und ein gerechtes Zeugnis vor der beobachtenden Umgebung abzulegen. Aber hinsichtlich des Bruders selbst liegt der Zweck des Ausschlusses nicht darin, ihn zu strafen, sondern ihn wachzurütteln. Deshalb soll alles in demütiger Liebe und nicht in einer Haltung selbstgerechter Überheblichkeit geschehen (Galater 6,1; 2. Timotheus 4,2).

Wenn eine Gemeinde alles getan hat, um das in Sünde lebende Gemeindeglied zu einem reinen Leben zurückzubringen, aber es nicht gelingt, soll er seiner Sünde und Schmach überlassen werden. Wenn er wirklich ein Christ ist, wird Gott ihn nicht verstoßen, sondern Gott lässt ihn vielleicht noch tiefer sinken, bevor er so verzweifelt ist, dass er sich von seiner Sünde abwendet. Die Aufforderung, keine Gemeinschaft, ja nicht einmal Umgang mit dem unbußfertigen Bruder zu haben, schließt nicht jeden Kontakt aus. Wenn es eine Gelegenheit gibt, ihn zu ermahnen und zur Umkehr zu rufen, sollte diese genutzt werden. Solche Gelegenheiten sollten sogar erstrebt werden. Aber der Kontakt sollte allein dem Zweck der Ermahnung und Wiederherstellung dienen.

Der Weg der Buße steht der ausgeschlossenen Person jederzeit offen. Ab dem Zeitpunkt der Buße möchten wir die Gemeinschaft schrittweise wieder aufbauen. Nachdem die Früchte der Umkehr deutlich zu erkennen sind, wird die Person wieder vollständig in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen.

Die Ältesten der ECG-Hellersdorf, zuletzt geändert Mai 2009

Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Bibel

Zusammenfassende Erklärung

  1. Gott, der selbst die Wahrheit ist und nur die Wahrheit spricht, hat die Heilige Schrift inspiriert, um sich damit selbst der verlorenen Menschheit durch Jesus Christus als Schöpfer und Herr, Erlöser und Richter zu offenbaren. Die Heilige Schrift ist Gottes Zeugnis von seiner eigenen Person.
  2. Da die Heilige Schrift Gottes eigenes Wort ist, das von Menschen geschrieben wurde, die der Heilige Geist dazu ausrüstete und dabei überwachte, ist sie in allen Fragen, die sie anspricht, von unfehlbarer göttlicher Autorität: Ihr muss als Gottes Unterweisung in allem geglaubt werden, was sie bekennt; ihr muss als Gottes Gebot in allem gehorcht werden, was sie fordert; sie muss als Gottes Zusage in allem aufgenommen werden, was sie verheißt.
  3. Der Heilige Geist, der göttliche Autor der Schrift, beglaubigt sie durch sein inneres Zeugnis und dadurch, dass er unseren Verstand erleuchtet, um ihre Botschaft zu verstehen.
  4. Da die Schrift vollständig und wörtlich von Gott gegeben wurde, ist sie in allem, was sie lehrt, ohne Irrtum oder Fehler. Dies gilt nicht weniger für das, was sie über Gottes Handeln in der Schöpfung, über die Geschehnisse der Weltgeschichte und über ihre eigene, von Gott gewirkte literarische Herkunft aussagt, als für ihr Zeugnis von Gottes rettender Gnade im Leben einzelner.
  5. Die Autorität der Schrift wird unausweichlich beeinträchtigt, wenn diese vollumfängliche göttliche Unfehlbarkeit in irgendeiner Weise begrenzt oder missachtet oder relativiert wird durch eine Sicht der Wahrheit, die der Sicht der Bibel von sich selbst widerspricht. Solche Abweichungen führen sowohl für den Einzelnen wie auch für die Kirche zu ernsthaften Verlusten.

Artikel des Bekennens und Verwerfens

Artikel I

  • Wir bekennen, dass man die Heilige Schrift als das autoritative Wort Gottes aufnehmen muss.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass die Schrift ihre Autorität von der Kirche, der Tradition oder irgendeiner anderen menschlichen Quelle erhalte.

Artikel II

  • Wir bekennen, dass die Bibel die oberste geschriebene Norm ist, durch die Gott das Gewissen bindet, und dass die Autorität der Kirche derjenigen der Bibel untergeordnet ist.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass kirchliche Bekenntnisse, Konzilien oder Erklärungen eine der Bibel ebenbürtige oder gar höhere Autorität hätten.

Artikel III

  • Wir bekennen, dass das geschriebene Wort in seiner Gesamtheit von Gott gegebene Offenbarung ist.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass die Bibel lediglich ein Zeugnis solcher Offenbarung sei oder dass sie nur durch die Begegnung mit ihr Offenbarung werde oder dass sie in ihrer Gültigkeit von den Reaktionen des Menschen abhängig sei.

Artikel IV

  • Wir bekennen, dass Gott, der den Menschen in seinem Bild geschaffen hat, die Sprache als Mittel seiner Offenbarung benutzt hat.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass die menschliche Sprache durch unsere Kreatürlichkeit so begrenzt wäre, dass sie als Träger göttlicher Offenbarung ungenügend sei. Wir verwerfen ferner die Auffassung, dass die Verdorbenheit der menschlichen Kultur und Sprache durch Sünde Gottes Werk der Inspiration vereitelt habe.

Artikel V

  • Wir bekennen, dass Gottes Offenbarung in der Heiligen Schrift eine fortschreitende Offenbarung war.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass eine spätere Offenbarung, die eine frühere Offenbarung erfüllen mag, diese jemals korrigiere oder ihr widerspreche. Wir verwerfen ferner die Auffassung, dass irgendeine normative Offenbarung seit dem Abschluss des neutestamentlichen Kanons gegeben worden sei.

Artikel VI

  • Wir bekennen, dass die Schrift als Ganzes und alle ihre Teile bis zu den einzelnen Wörtern des Urtextes von Gott durch göttliche Inspiration gegeben wurden.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass man die Inspiration der Schrift in ihrer Ganzheit ohne ihre Teile oder in einigen Teilen ohne ihre Ganzheit recht bekennen könne.

Artikel VII

  • Wir bekennen, dass die Inspiration jenes Werk war, in dem Gott uns durch seinen Geist durch menschliche Schreiber sein Wort gab. Der Ursprung der Schrift ist Gott selbst. Die Art und Weise der göttlichen Inspiration bleibt für uns zu einem großen Teil ein Geheimnis.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass Inspiration auf menschliche Einsicht oder einen höheren Bewusstseinszustand irgendeiner Art reduziert werden könne.

Artikel VIII

  • Wir bekennen, dass Gott in seinem Werk der Inspiration die charakteristische Persönlichkeit und den literarischen Stil des jeweiligen Schreibers, den er ausgewählt und zugerüstet hatte, benutzte.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass Gott die Persönlichkeit dieser Schreiber ausgeschaltet habe, als er sie dazu veranlasste, genau die Worte zu gebrauchen, die er ausgewählt hatte.

Artikel IX

  • Wir bekennen, dass die Inspiration zwar keine Allwissenheit verlieh, aber wahre und zuverlässige Aussagen über alle Dinge garantierte, über welche die biblischen Autoren auf Gottes Veranlassung hin sprachen und schrieben.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass die Begrenztheit oder das Gefallensein dieser Schreiber notwendigerweise oder auf andere Weise Verzerrungen oder Fehler in Gottes Wort eingeführt habe.

Artikel X

  • Wir bekennen, dass die Inspiration, streng genommen, nur auf den autographischen Text der Schrift zutrifft, der aber durch die Vorsehung Gottes anhand der zur Verfügung stehenden Handschriften mit großer Genauigkeit ermittelt werden kann. Wir bekennen ferner, dass Abschriften und Übersetzungen der Schrift soweit Gottes Wort sind, als sie das Original getreu wiedergeben.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass irgendein wesentlicher Bestandteil des christlichen Glaubens durch das Fehlen von Autographen beeinträchtigt sei. Wir verwerfen ferner die Ansicht, dass solches Fehlen das Bekenntnis zur biblischen Irrtumslosigkeit nichtig oder irrelevant mache.

Artikel XI

  • Wir bekennen, dass die Schrift unfehlbar ist, da sie durch göttliche Inspiration gegeben wurde, so dass sie – weit davon entfernt, uns irrezuführen – wahr und zuverlässig in allen von ihr angesprochenen Fragen ist.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass die Bibel zur gleichen Zeit unfehlbar und in ihren Aussagen irrtümlich sein kann. Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit können unterschieden, nicht aber voneinander getrennt werden.

Artikel XII

  • Wir bekennen, dass die Schrift in ihrer Gesamtheit irrtumslos ist und damit frei von Falschheit, Betrug oder Täuschungen.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass sich die biblische Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit auf geistliche, religiöse oder die Erlösung betreffende Themen beschränke und dass Aussagen im Bereich der Geschichte und Naturwissenschaft davon ausgenommen seien. Wir verwerfen ferner die Ansicht, dass wissenschaftliche Hypothesen über die Erdgeschichte mit Recht dazu benutzt werden dürfen, die Lehre der Schrift über Schöpfung und Sintflut umzustoßen.

Artikel XIII

  • Wir bekennen, dass es angemessen ist, Irrtumslosigkeit als theologischen Begriff für die vollständige Zuverlässigkeit der Schrift zu gebrauchen.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass es angemessen sei, die Schrift anhand von Maßstäben für Wahrheit und Irrtum zu messen, die ihrem Gebrauch und ihrem Zweck fremd sind. Wir verwerfen ferner die Auffassung, dass die Irrtumslosigkeit infrage gestellt werde durch biblische Phänomene wie das Fehlen moderner technischer Präzision, Unregelmäßigkeiten der Grammatik oder der Orthographie, Beschreibung der Natur aus dem Blickwinkel der subjektiven Beobachtung, Berichte über Unwahrheiten, durch den Gebrauch des Stilmittels der Hyperbel oder gerundeter Zahlen, thematischer Anordnung des Stoffes, unterschiedlicher Auswahl des Materials in Parallelberichten oder der Verwendung freier Zitate.

Artikel XIV

  • Wir bekennen die Einheit und innere Übereinstimmung der Bibel.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass angebliche Fehler und Widersprüche, die bis jetzt noch nicht gelöst worden sind, den Wahrheitsanspruch der Bibel hinfällig machen.

Artikel XV

  • Wir bekennen, dass die Lehre von der Irrtumslosigkeit in der Lehre der Bibel über die Inspiration gegründet ist.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass man die Lehre Jesu über die Schrift mit dem Hinweis auf die Anpassung an seine Hörer oder auf irgendeine natürliche Begrenztheit seines Menschseins abtun könne.

Artikel XVI

  • Wir bekennen, dass die Lehre von der Irrtumslosigkeit ein integraler Bestandteil des Glaubens der Kirche während ihrer ganzen Geschichte gewesen ist.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass die Irrtumslosigkeit eine Lehre sei, die der scholastische Protestantismus erfunden habe, oder dass sie als eine Abwehrreaktion auf die Bibelkritik postuliert worden sei.

Artikel XVII

  • Wir bekennen, dass der Heilige Geist Zeugnis für die Heilige Schrift ablegt und den Gläubigen Gewissheit über die Zuverlässigkeit des geschriebenen Wortes Gottes gibt.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass dieses Zeugnis des Heiligen Geistes losgelöst von der Schrift oder gegen die Schrift wirke.

Artikel XVIII

  • Wir bekennen, dass man den Text der Bibel durch grammatisch-historische Exegese auslegen muss, indem man die literarischen Formen und Wendungen berücksichtigt, und dass die Bibel durch die Bibel ausgelegt wird.
  • Wir verwerfen die Berechtigung jedes Umgangs mit dem Text und jeder Suche nach hinter dem Text liegenden Quellen, die dazu führen, dass seine Lehren relativiert, für ungeschichtlich gehalten oder verworfen werden, oder dass man seine Angaben zur Verfasserschaft ablehnt.

Artikel XIX

  • Wir bekennen, dass ein Bekenntnis zu der vollumfänglichen Autorität, Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit der Bibel für ein gesundes Verständnis des ganzen christlichen Glaubens lebenswichtig ist. Wir bekennen ferner, dass ein solches Bekenntnis dazu führen sollte, dass wir dem Bild Christi immer ähnlicher werden.
  • Wir verwerfen die Auffassung, dass ein solches Bekenntnis zum Heil notwendig sei. Wir verwerfen jedoch darüber hinaus auch die Auffassung, dass die Irrtumslosigkeit ohne schwerwiegende Konsequenzen für den Einzelnen und die Kirche geleugnet werden könne.

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