Buße ohne Veränderung?

Der Anfang vom Ende sexueller Sünde

Seit mehr als 25 Jahren betreue ich Männer und Frauen in der Seelsorge, die in sexuellen Sünden verstrickt sind. Ich habe Menschen getroffen, die zu Prostituierten gegangen sind, Affären hatten, in Pornographie verstrickt waren, in Lüge gelebt haben und dabei ihren Ehepartner für die eigenen Probleme beschuldigt haben. Ich habe zugehört, wie sie den Verlust von Geld, von Arbeit, von Schlaf und Familie beschrieben haben, und das alles aufgrund sexueller Sünde.

Wenn wir auf die Zukunft blicken, stellen wir fest dass die Gefahren sexueller Sünde in den kommenden Generationen größer werden. Kinder zwischen 9 und 12 Jahren haben immer mehr oralen Sex und viele von ihnen haben mehr Zugriff auf Pornographie (ob absichtlich oder unabsichtlich), was sie oft in ein Leben der Sklaverei führt. Vor einigen Generationen davor hat sich das Kennenlernen von einem jungen Mann und einer jungen Frau von der Öffentlichkeit in ein privates Treffen verwandelt, und dies hat das sexuelle Verhalten der folgenden Generationen für immer verändert. Heute wird Freundschaft Plus und Sexting immer normaler.
Das bereits existierende Problem von sexueller Sünde in der Gemeinde wird noch ernster.

Die Diagnose bestimmt die Behandlung

Wenn wir über das wachsende Problem sexueller Sünde in der Gemeinde sprechen ist es notwendig zu verstehen, dass sündiges Verhalten ein Hinweis auf ein tieferes Problem ist.

Tragischerweise hat unsere therapeutische Kultur einen größeren Einfluss darauf, wie wir über Veränderung denken. Diese Kultur prägt unser Denken mehr als die Gemeinde, bezüglich dessen, was verändert werden muss und wie die Veränderung geschieht. Freiheit von sexueller Sünde beginnt nicht, wie viele denken, mit dem Aufarbeiten vergangener schmerzvoller Erlebnisse. Aufgrund dessen, dass ich nun mit tausenden von Männer und Frauen seelsorgerisch gearbeitet habe, sehe ich den ersten Schritt zur Überwindung von sexuellen Sünden darin, dass man versteht dass  sexuelles Fehlverhalten der hochmütige Versuch des Herzens ist mit Schmerz umzugehen und dass Schmerz an sich ist nicht das Problem ist.

Eine richtige Diagnose sollte die Methode der Behandlung bestimmen. Wenn die Diagnose falsch ist, dann ist die Behandlung wertlos. Aber wenn wir Gott glauben und seinem Wort vertrauen, dann können wir eine richtige Diagnose bekommen und unseren besten Arzt kennenlernen.

Jesus hat das Problem klar beim Namen genannt: “Denn von innen, aus dem Herzen des Menschen, kommen die bösen Gedanken hervor, Ehebruch, Unzucht […] Zügellosigkeit […]” (Mk. 7,21-23) In anderen Worten: Wenn es um sexuelle Sünden geht, dann ist das Problem nicht was mit uns passiert ist, sondern das was in unserem Herzen ist.

Wenn unser Problem in erster Linie Sünde und unsere verdorbene, rebellische Natur ist, dann wissen wir was vor allem Anderen angepackt werden muss. Wenn nun die Diagnose die Behandlung vorgibt und Sünde die Diagnose ist, muss diese mit Glauben und Buße behandelt werden. Bei sexueller Sünde kann echte Veränderung nur mit echter Buße beginnen – eine Veränderung des Herzens.

Buße ist nicht Besserung

Eine Veränderung des Herzens ist die treibende Kraft für ein Veränderung des Verhaltens. Weder Selbstekel noch die Reue über den Schmerz, den man anderen hinzugefügt hat, können dies bewirken, sondern allein eine höhere Berufung. Unser trügerisches Herz ist eine selbstzentrierte Maschine, die ständig verlangt: “Ich tue was ich will: in meinem Leben, in meinen Beziehungen und im Sex. Alles dreht sich um mich.” Daher muss der bußfertige Sünder die trügerische Herrschaft über persönliches Verlangen aufaufgeben und sogar die Zügel über das eigene Lebens.

Lass es mich so klar sagen, wie ich es nur kann: Wenn es um sexuelle Sünden und Sucht geht, ist Besserung nicht dasselbe wie Buße und Buße ist nicht dasselbe wie Besserung. Buße ist nicht einfach ein menschlicher Versuch. Buße ist auch kein Selbsthilfeprogramm. Sondern Buße ist ein chirurgischer Eingriff Gottes, durch den er nicht nur den Sünder demütigt, sonder auch eine von außen sichtbare Veränderung wirkt. Ja, sexuelle Sünde hört mit dieser Buße auf, aber der große Unterschied ist dass der Ehepartner feststellt, dass der ehemalige Sünder nun ein anderer Mensch geworden ist.

In der Buße gesteht der Sünder, dass er Gottes Gebote gebrochen hat und in dem Gerichtssaal Gottes schuldig gesprochen wird. Der Sünder bittet Gott um Gnade, wissend dass die Gnade unverdient ist. Biblische Buße sagt sich nicht nur von der sexuellen Sünde los, sondern auch von der Welt, dem Fleisch und dem Teufel.

In der Buße macht der Sünder eine Kehrtwendung, nämlich von Selbstliebe und Selbstvertrauen hin zu Gott. Sein Herz hat sich verändert und sein tiefes Verlangen ist auf die Verherrlichung Gottes und Gehorsam gerichtet. In anderen Worten: Da ist ein neuer Drang nach Reife in allen Aspekten des Lebens, ein Streben nach “der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird!” (Heb. 12,14).

Tod produziert Leben

Buße ist ein Sterben. Wenn der Sünder Buße tut, dann stirbt das Selbst und Gott regiert. Es geht um weitaus mehr als nur sexuelle Sünden aufzugeben; man gibt sein ganzes Leben auf.

Bis Jesus wiederkommt wird die Sünde immer in uns gegenwärtig sein. Aber durch wahre Buße wird das Leben des Sünders nicht mehr von sexueller Sünde beherrscht. Stattdessen wird er beherrscht von dem Verlangen Gott gehorsam zu sein.

Wahre Buße bringt Frucht, die über Enthaltsamkeit hinausgeht. Es beginnt mit einer Veränderung von innen nach außen. Dies ist nicht nur eine Veränderung des Verhaltens, sondern alles beginnt sich zu verändern. Man wird ein anderer Mensch.

Diese Veränderung des Herzen bringt eine Veränderung der Beziehungen mit sich. Er wird ein anderer Ehemann, sie eine andere Ehefrau. Wo sexuelle Sünde eine Beziehung zerstört, stellt die Frucht der Buße diese wieder her, während jeder der beiden Personen damit beginnt den anderen höher zu achten als sich selbst (Phil. 2,3).

Harry Schaumburg (Übersetzt aus dem Englischen: „Can You Repent Without Changing?“).